Uwe Seltmann - Gedichte & Co.

Weihnacht unterm Tannenbaum, für manche nur ein Traum

Weihnacht unterm Tannenbaum

 

Ein Arbeiter geht zur Weihnachtsschicht.

Stillstand kennt die Firma nicht.

Auch heute muss der Euro rolln.

Einen Zuschlag gibt's zum Mindestlohn.

Weihnacht unterm Tannenbaum,

für manche ist das nur ein Traum.

 

Eine junge Frau ganz einsam ist.

Sie weiß nicht, was Familie ist.

Die Eltern hat sie nie gekannt.

Wünsche und Träume sind verbrannt.

Weihnacht unterm Tannenbaum,

für manche ist das nur ein Traum.

 

Eine Pflegerin im Altersheim

sieht kaum die eigenen Kinderlein.

Schichtbetrieb und wenig Zeit

hält das Fest für sie bereit.

Weihnacht unterm Tannenbaum,

für manche ist das nur ein Traum.

 

Ein alter Mann ist ganz allein.

Denkt, es könnt ganz anders sein.

Die Kinder sind in der Ferne jetzt.

Kommen nicht zum Heiligen Fest.

Weihnacht unterm Tannenbaum,

für manche ist das nur ein Traum.

 

Ein Obdachloser friert so sehr.

Wie ihm geht es noch Vielen mehr.

Durch die Straßen zieht er nun.

Was kann er denn auch Anderes tun?

Weihnacht unterm Tannenbaum,

für manche ist das nur ein Traum.

 

Ein Junky sich den goldenen Schuss bald setzt.

Er hat die Schnauze voll von Fest.

Die Welt ist lang nicht mehr sein Ding.

Hat erlebt, wie mancher schon so ging.

Weihnacht unterm Tannenbaum,

für manche ist das nur ein Traum.

 

Ein Soldat im Schützengraben

würde gerne Frieden haben.

Die Kugel kennt den Frieden nicht.

Trifft ihn mitten ins Gesicht.

Weihnacht unterm Tannenbaum,

für manche ist das nur ein Traum.

 

So ist das Fest nicht nur voll Freud.

Für manche wird es schnell zum Leid.

Drum denkt an die, wo's anders läuft.

Der eine oder andere sich besäuft.

Weihnacht unterm Tannenbaum,

für manche ist das nur ein Traum.

 

Wenn ihr in den Kirchen seid,

zur wunderschönen Weihnachtszeit,

wird mancher in Verzweiflung leben,

dem wir sollten Hoffnung geben.

Weihnacht unterm Tannenbaum,

für manche bleibt das nur ein Traum

 

© Uwe Seltmann

Dezember 2019

 

 

Weihnachten ist nicht für jeden ein Fest des Friedens und der Familie. In meinem Gedicht führe ich einige Beispiele auf. Diese Menschen gibt es vielleicht auch in deiner Realität.

 

Vielleicht ist der Arbeiter ein Mitarbeiter in einem Callcenter, welcher eine sinnlose Hotline aufrecht erhalten muss. Oder die junge Frau ist in Wirklichkeit dein Nachbar, der an seiner Einsamkeit verzweifelt. Bei dem Junky handelt es sich vielleicht um einen Verwandten. Auch einer meiner Verwandten starb auf diese Weise. Und wahrscheinlich hast du einen solchen Soldaten in deiner Familie, welcher in der Sinnlosigkeit der zwei Weltkriege auf ähnliche Weise starb. 

 

Dieses Gedicht bezieht sich zwar auf Weihnachten. Aber die Einsamkeit und Verzweiflung vieler Menschen ist an jedem Tag im Jahr zu spüren.

Jedoch verstärkt Weihnachten als Familienfest diese Gefühle um so mehr. 

 

Darum denkt an diese Menschen, bevor ihr vielleicht selbst zu ihnen gehört. 

 

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